Read Halt auf Verlangen: Ein Fahrtenbuch (suhrkamp taschenbuch) by Urs Faes Online

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Halt auf Verlangen ist Urs Faes intimstes Buch, gewachsen aus der autobiographischen Erfahrung der Krankheit, geschrieben, um sich festzuhalten an Worten und Erinnerungen und darin ganz dem Leben zugewandt Kurz nach der Diagnose findet er keine Worte Erst sp ter, bei der t glichen Fahrt quer durch die Stadt, beginnt er, zu beschreiben, was ihm geschieht die Unterwelt der Onkologie, die M digkeit nach der Bestrahlung, die Erinnerung an Kindheit und Herkunft, an Stra enbahnfahrten mit dem Vater und Kino mit der Jugendfreundin Mile, an Verlassenwerden in Paris und den Abschied von seiner Geliebten Den m glichen Tod vor Augen, stellt er sich die Frage nach dem Gelebten und dem Vers umten, nach dem, was Begehren war und was Liebe....

Title : Halt auf Verlangen: Ein Fahrtenbuch (suhrkamp taschenbuch)
Author :
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ISBN : 9783518468906
ISBN13 : 978-3518468906
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : Suhrkamp Verlag Auflage 1 13 August 2018
Number of Pages : 198 Seiten
File Size : 862 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Halt auf Verlangen: Ein Fahrtenbuch (suhrkamp taschenbuch) Reviews

  • M. Lehmann-Pape
    2020-03-25 11:27

    Es ist einer jener Momente, den alle Menschen fürchten. Worte, die man nicht hören willen, eine Aussicht auf die Zukunft, die zunächst einfach nur niederschmettert.Diagnose: KrebsUnd wie man so sagt, dass in den letzten Augenblicken des Lebens das gesamte Leben am inneren Auge noch einmal vorbeizieht, hat Urs Faes dies umgesetzt.Zum Glück nicht nur innerhalb weniger Augenblicke festgehalten, sondern Zeit gehabt, in Ruhe die Stationen des eigenen Lebens zu resümieren. Wobei Faes dies beileibe nicht im Stil eines sachlich-nüchternen Berichtes vollzieht, sondern wie in Romanform von Beginn an eine melancholische, ruhige, emotional dichte Atmosphäre erschafft und vermittelt, die genau passend ist für die enge Betrachtung des eigenen Lebens. Denn mit was sonst wäre man so eng verbunden und hätte so viele starke Gefühle, als für das eigene Leben?„Nur einmal fragte sie, ob es ihm gutgehe. Er schaute irritiert auf und antwortete ihm rasch. Besser, als einer wie er sich wünschen könnte“.Er muss sich einrichten. Das Schlimmste besser für wahr halten und annehmen, damit es leichter wird.„Wer weiß das schon? Bei diesem Satz hatte er in der Stimme des Arztes einen Unterton von Mitleid zu glauben gehört“. Und doch, Hoffnungslos ist das alles nicht. Was aber dem Gefühl schwer zu vermitteln ist angesichts dieses drastischen Einschnittes in das bis dahin doch erfolgreich und gut verlaufende Leben.Ein Leben, das Urs Daes nun im Buch Station für Station, Schritt für Schritt in den eindringlichen, wichtigen, bewegenden Erlebnissen sich selbst vor Augen führt. Eine Bilanz zieht, die weniger in einem einfachen „gut oder schlecht“ sich greifen lässt, sondern eher in die Richtung eines „wirklich gelebt?“ sich vorantastet.Auch auf dem ein oder anderen Friedhof. Auch Grabsteine, Gräber sucht Faes auf seinem Erinnerungsweg auf.„Später hatten sie den Vogel im Garten beerdigt. Drei Jahre später lag auch der Kleine in seinem Bett, auf dem Rücken, die Hände an den Seiten, die Finger verhakelt im weißen Hemd, das er trug. Tot? Was ist das?“. Und ebenso stellt sich im Verlauf all der sensibel betrachteten Lebenseindrücke natürlich auch die Frage, was denn das Leben genau ist? Was sich lohnt, was hält, warum man so daran hängt, über den biologischen Trieb zum Leben hinaus.Und wie ist das Leben mit der Krankheit? Neben den Erinnerungen und der Bilanz gibt es im Buch ja auch das „Jetzt“, die Therapie, das Bangen zwischen Hoffen und Verzweifeln, die Freunde, Partner, mit denen man sein Leben gestaltet hat bis dahin. Passt das noch? Hält das? Trägt das?Es sind intensive, existenzielle Fragen, ein bebendes Erleben, das Faes wunderbar in Worte fasst, dass den Leser einholt und, zwingend, die eigenen Lebens- und Sterbensfragen vor Augen führt. Mit emotionaler Wucht, denn eines sind die Überlegungen angesichts der Endlichkeit des eigenen Lebens und angesichts der schweren Diagnose nicht: ausgeglichen und balanciert oder gar nur vage. Sondern intensiv, laut, spürbar, ängstlich, mutig, verzweifelt, ernüchtert über verpasstes Leben und froh über erlebtes LebenEine hervorragende, aber auch mitnehmende Lektüre.

  • Felix Richter
    2020-03-24 08:32

    79 Gray in den Unterleib, verteilt auf 40 Sitzungen, bilden Rahmen und Leitmotiv dieses auf eigener Krankheit fußenden Romans. Acht lange Wochen steigt der namenlose Protagonist frühmorgens in die Zürcher Linie 11, Richtung Klinikum. 17 Stationen bis Balgrist, danach kommen nur noch zwei Friedhöfe, wie ein makabrer stadtplanerischer Scherz.Er wird hinuntergeschickt in den Maschinenraum der modernen Medizin, um den Feind im eigenen Körper zu attackieren. Ein völlig empathiefreier Chefarzt konfrontiert ihn mit Statistiken zur Gesundung und einer Batterie düsterer Nebenwirkungen, und lässt ihn allein mit der Frage, wie viel Lebensfreude eine Zukunft bereithalten kann, die einer Therapie mit so viel zerstörerischem Potential zu verdanken ist.Auf den morgendlichen Fahrten zieht sein Leben an ihm vorbei und landet auf den Prüfstand. An jede der 17 Stationen knüpfen sich Erinnerungen, an die Kindheit, an die erste Liebe, an den verschlossenen Vater, der einen jämmerlichen Lungenkrebstod starb, und vor allem an die Frauen, die er geliebt hat und die ihn geliebt haben und denen er sich immer noch verbunden fühlt. Ein Freund (Agent? Verleger?) animiert ihn zum Schreiben; so füllt und koloriert er die weißen Flecke seines Lebens; das, was war, verschmilzt mit dem, was hätte sein können. (Auch Faes' "Paarbildung" fließt mit ein, wenn der Schriftsteller kurz zum Therapeuten mutiert und seiner alten Liebe Meret am Ende ihres Lebens wiederbegegnet, natürlich in der Onkologie.)Ein großartiger Roman, nüchtern und doch intim, voller Kraft in einem Moment größter Hilflosigkeit. Das offene Ende versteht sich von selbst.- Kostenloses Rezensionsexemplar -

  • Silke
    2020-03-09 04:29

    Schon der erste Satz packt, zieht hinein in die Geschichte und lässt bis zum Morgengrauen nicht mehr los. Das neueste Buch von Urs Faes ist reines Lesevergnügen - trotz schweren Stoffs!Ein an Prostatakrebs erkrankter Mann pendelt jeden Morgen mit der Straßenbahn zur Bestrahlung und beginnt, das gerade Erlebte, Unfassbare mit der vertrauten Vergangenheit zu verknüpfen. Skurile Geschichten verweben sich unter seinem Bleistift mit melancholischen Erinnerungen und einem Quäntchen farbenfroher Fantasie – ein Netzwerk, das eine vielleicht nicht mehr vorhandene Zukunft abprallen lässt wie ein wärmendes Zelt einen Graupelschauer. Berührend, tiefschürfend und warmherzig. Ein Muss!